Die Praktiker-Pleite: Was Anleger jetzt tun können - 4.8 out of 5 based on 11 votes

Nach der Gewissheit eines Insolvenzverfahrens bei Praktiker stellen sich viele Anleger die Frage: Wie weiter?

 
 

Die wenigsten Anleger der Praktiker-Anleihe dürften Mittwoch aus allen Wolken gefallen sein. Dass der Praktiker-Konzern angeschlagen war und ein realistisches Ausfallrisiko der Anleihe bestand, war offensichtlich. Dennoch ist die Nachricht unangenehm und sorgt für Kopfzerbrechen. Ich will daher an dieser Stelle eine Prognose für die nächsten Wochen wagen und die Optionen für Anleger aufzeigen.

Der Kurs stürzt ab

Wie heute zu sehen, geht der Kurs der Anleihe erst einmal in den Keller. In diesem Moment bringt es aus meiner Sicht nicht viel, um jeden Preis verkaufen zu wollen. Heute verkaufen all diejenigen, die müssen oder nicht verstehen, wie es in den nächsten Tagen weiter gehen wird. Nicht umsonst wurde gestern die Anleihe vom Handel ausgesetzt. Es geht darum Ruhe zu bewahren. Verkaufen müssen Banken und Fonds, die aufgrund von Richtlinien keine insolvente Firma halten dürfen. Ausserdem verkaufen heute viele Kleinanleger, die sich nicht intensiv mit dem Thema beschäftigen und einfach nur noch raus wollen. Dem gegenüber stehen relativ wenig Spekulanten. Gute Spekulanten im Sinne von André Kostolany, die aufgrund der „Panik“ eine Chance sehen. Ich werde diese Chance allerdings auslassen und nicht nachkaufen. Ganz mutige können diese Preise aber durchaus nutzen.

Meine Erfahrungen mit Worst-Case-Meldungen anderer Unternehmen lassen vermuten, dass der Kurs noch für weitere Handelstage massiv unter Druck sein wird. Bei schlechten Nachrichten werden diejenigen, die verkaufen wollen, in wenigen Tagen verkauft haben. Die Stimmung ist schlecht. Sind diese Tage rum gibt es keine Anleger mehr, welche den Kurs noch weiter drücken können. Es gibt eine Gegenreaktion und die Kurse werden sich zwischen dem Schlusskurs vom Mittwoch und dem aktuellen Kurs stabilisieren.

Ich gehe weiterhin von meinem Liquidationswert in Höhe von 23 % aus, andere sehen jedoch einen deutlich tieferen Wert.

Jeder Anleger sollte sich in dieser Phase überlegen, ob der Handelskurs nahe genug an seinem inneren Wert liegt, den er im Falle eine Liquidation bekommt. Falsch wäre es, sich an seinem Einkaufskurs zu orientieren.

Ablauf des Verfahrens

Liegt der Handelskurs massiv unter dem inneren Wert bzw. möchte man einen Verlust bei sofortigem Verkauf nicht akzeptieren, muss man das Insolvenzverfahren abwarten. Dies wird einige Monate in Anspruch nehmen. Nachdem gestern der Insolvenzantrag gestellt wurde, muss dieser vom Gericht stattgegeben werden. Anschliessen bestimmt dieses einen Insolvenzverwalter, der das Unternehmen während der gesamten Insolvenz betreut. Der nächste Schritt im Insolvenzverfahren ist die Gläubigerversammlung - während dieser wird entschieden, ob das Unternehmen saniert und somit weitergeführt oder aber das Vermögen unter den Gläubigern aufgeteilt wird. In beiden Fällen wird eruiert in welcher Höhe die Forderungen (zumindest teilweise) gedeckt werden können. Als Anleihebesitzer ist man zu dieser Gläubigerversammlung prinzipiell eingeladen und stimmberechtigt, man kann sich aber auch von dem gemeinsam gewählten Anleihevertreter Dr. Ingo Scholz repräsentieren lassen.

Anleihebesitzer werden „nachrangig“ bedient

Im Insolvenzverfahren werden nicht alle Gläubiger gleich behandelt. Ein besonders hartes Los trifft die Aktionäre, die „Gläubiger des Eigenkapitals“ sind. Als Besitzer von Praktiker haften sie mit ihrem Kapital erst einmal für alle anderen Forderungen. Dass nach der Bedienung aller Schulden noch Mittel an die Aktionäre zurückfliessen, würde mich überraschen.

Dem gegenüber stehen die sichersten Forderungen mit Pfand. Hier gibt es laut Geschäftsbericht Q1/2013 einige. Verpfändet wurde Max Bahr 2012 mit einem Darlehen von der Semper Constantina Privatbank (Konsortium um Isabella de Krassny) in Höhe von 55 Mio. Euro, 20 Mio. Cash (RBS Senior Term Facility) sowie 18 Mio. Immobilienvermögen. Ausserdem sind die Vorräte verpfändet (Eigentumsvorbehalt).

Zwischen den Aktionären und den besicherten Forderungen stehen die Anleihebesitzer zusammen mit den übrigen Gläubigern. Sind die verpfändeten Sachwerte verkauft worden und reichte der Verkaufswert nicht um die Schuld zu bezahlen, so kommt die Restschuld ebenfalls in diesen grossen Pulk. Übersteigt der Erlös jedoch den Kredit, fliesst der Überschuss in die Insolvenzmasse und wird an alle anderen Gläubiger verteilt. Das Pfand bezieht sich immer auf konkrete Werte in der Bilanz, stellt den Gläubiger nur für diesen einen Wert vorrangig vor allen anderen Gläubiger. Im Fall von Max Bahr ist sich zu fragen, ob der Wert von Max Bahr die Höhe des Kredites von 55 Mio. Euro übersteigt. Ich gehe von folgenden Annahmen aus, die ich gerne mit euch diskutiert hätte:

In einer konsolidierten Bilanz ist es schwierig, die genauen Max Bahr zugehöhrenden Werte ausfindig zu machen. Nimmt man als Basis die Anzahl Filialen (ca. 40 %) bzw. den Umsatz (ca. 35 %), so kommt man auf einen Wert von 525-600 Mio. Euro.

Auch kann man auf Grundlage einer Gewinn-Multiple Rechnung den Wert von Max Bahr bestimmen. Nimmt man einen Jahresumsatz von 1'200 Mio. Euro für die 132 Max Bahr Filialen, welche im Q1/2013 zu Max Bahr gelistet wurden, an und dazu eine Umsatzrendite von 2 %, sowie eine Fremdfinanzierung des Käufers von 50 %, dann kann ein Käufer das Unternehmen zu einem KGV von 10 für 480 Mio. Euro kaufen.

Zieht man von diesen 480 Mio. jetzt einmal das Pfand (95 Mio. Euro) ab, dann bleiben immer noch 385 Mio. Euro für alle anderen Schulden. Bei einer um das Pfand gekürzten Bilanzsumme (1'584,7 - 95) bleibt eine Kapitaldeckung von 25,84 % und das unter der Voraussetzung, dass alles andere im Praktikerkonzern komplett wertlos ist. Bei einem derzeitigen Anleihekurs von 10 % würde dies eine Rendite von 150 % bedeuten.

Möglicherweise gibt es in meiner Rechnung allerdings einen Denkfehler. Dazu ein Auszug aus den Kommentaren des Artikels "Praktiker steht vor der Insolvenz":

Ja, sehr großer Denkfehler. Du gehst von einer konsolidierten Bilanz aus. Tatsächlich sind aber die Anteile an der Max Bahr Tochter inkl. aller "darunter" hängenden Vermögensgegenstände verpfändet. d.h. bevor der Anleihegläubiger den ersten Cent sieht, wird Max Bahr inkl. aller vorräte etc. erstmal aus der Insolavenzmasse herausgelöst.
Das was dann bleibt, dürfte im niedrigen einstelligen Prozentsatzbereich sein. Zusätzlich werden dann in der Insolvenz noch Massekredite etc. kommen, die alle vorrangig sind.
In einer Liquidation ist eine konsolidierte Bilanz nicht relevant, hier geht es einzig und allein um die Konzernstruktur und wer auf welcher Ebene Rechte hat. Je weiter von der wertvollen Tochter entfernt desto schlechter.
Der Max Bahr Anteil wird im übrigen gar nicht verkauft, sondern geht einfach in das Eigentum des Darlehensgebers über. Die anderen Gläubiger müssten dann erstmal klagen.
mmi

Was meint ihr dazu?

Was man aus der Insolvenz lernen kann

Sehr hohe Zinsen, wie bei der Praktikeranleihe in den letzten zwei Jahren, spiegeln das Ausfallrisiko wieder. Zugleich sind solche Situationen aber auch Gelegenheiten, aussergewöhnliche Chancen zu haben.

 

 

Weitere Informationen:

Festverzinsliche Wertpapiere (ausführlich)

Praktiker Anleihe Bilanz Q4/11

Praktiker Anleihe Bilanz Q2/12

Praktiker Anleihe Bilanz Q3/12

Praktiker Anleihe Bilanz Q4/12 (aktuellste Rechnung)

 Praktiker steht vor der Insolvenz

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  • Schlaubi

    Als Antwort auf: rik

    Ja den Bericht hab ich gelesen und hab auch die Zahlen aus dem Abverkauf von Praktiker Deutschland GmbH vermisst, aber das hat sich vermutlich gerade überschnitten...bis endgültige Zahlen vorliegen muss man noch die Liquidation von Max Bahr abwarten...aber optmistischer macht mich das ganze nicht, weil ich die Geschäftsberichte und damit die Schulden der Praktiker Deutschland GmbH und Max Bahr GmbH nicht kenne. Und das ist entscheidend, ob aus den Erlösen vom Verkauf die Verbindlichkeiten abdecken. Außerdem stehen die Auslandsgesellschaften ebenfalls zum Verkauf...also das kann sich noch bis zur WM hinziehen bis definitve Zahlen vorliegen.

  • rik

    Als Antwort auf: Schlaubi

    Für mich wirkte der Bericht aber so, daß vielleicht doch alle Schulden zusammengerechnet werden und dann an alle unbesicherten Gläubiger der Konzerns zu gleicher Quote verteilt werden....!?
    Denn irgendwo stand sinngemäßg, daß durch die Insolvenz die Gesellschaft aufgelöst ist bzw. es keine Abgrenzung mehr gibt - zumindest hab ich es so verstanden!

    Mich hätte aber der Wert des Warenbestandes von Praktiker und Max Bahr interessiert und zu wieviel % dieser dem Unternehmen zum Zeitpunkt der Insolvenzbeantragung gehört hat!

    Mal angenommen es gehört dem Unternehmen zum größten Teil und es kommen "nur" 100 Mio durch den Verkauf der Waren zusammen (nach Abzug der besicherten 75 Mio. Bankdarlehen von Max Bahr) . Für die Kosten der Insolvenz rechne ich einfach mal grob 50 Mio, dann bleiben noch 50 Mio. Das wären dann für alle Gläubiger immer noch ca. 5 % Quote.
    Es wäre zumindest mehr als der jetzige Kurs der Anleihe....

  • Schlaubi

    Als Antwort auf: rik

    Für mich wirkte der Bericht genauso, da müsste man direkt beim Insoverwalter nachfragen um sich das bestätigen zu lassen.

    Was die Liquidation angeht muss man einfach abwarten...weil diese noch nicht abgeschlossen ist. Desweiteren ist nicht sicher, ob die Auslandsgesellschaften verkauft, oder ebenfalls leerverkauft werden. Außerdem laufen noch juristische Verfahren, die sich vermutlich hinziehen werden. Sollten diese Verfahren zugunsten der Gläubiger ausgehen, dürfen diese wiederrum auf eine Quote hoffen?

  • wasi

    Globus will acht Max-Bahr-Immobilien übernehmen und diese als Globus Baumärkte eröffnen, um seine Präsenz in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zu vergrößern. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/strategie-effizienz/ma/ma-deals-nestle-funkwerk-celesio/ ]
    Die Kette wächst damit auf insgesamt 87 Baumärkte. Das Kartellamt muss jedoch diesen M&A-Deal prüfen.

    Gruß,
    W.

  • Schlaubi

    Angeblich laufen die Geschäfte (laut einem Medienbericht) bei einigen Auslandsgesellschaften der Praktiker AG (Praktiker Griechenland, Praktiker Polen, etc.) überraschend gut trotz der Insolvenz der insolventen Konzermutter der Praktiker Holding AG. Dementsprechend groß dürfte das Interesse von Investoren und regionalen Wettbewerbern sein. Die Auslandsgesellschaften dürften wohl demnach kurz vor dem Verkauf stehen? Vor allem die Gesellschaften Praktiker Griechenland, Praktiker Ungarn und Praktiker Polen dürften auf reges Interesse von Investoren stoßen?

  • Schlaubi

    In einer Pressemitteilung wurde bekanntgegeben, dass die Praktiker Ukraine TOV Kiev (UA) an einen Investor verkauft wurde mit 4 Standorten und ca. 380 Mitarbeiter. Über den Kaufpreis wurde stillschweigen vereibart.
    Nach Praktiker Luxemburg ist dies der 2. Verkauf einer Auslandsgesellschaft aus dem Praktiker Konzern. Weitere Auslandsgesellschaften dürften in Kürze folgen.

  • Schlaubi

    Laut einer Pressemitteilung wurde eine weitere Gesellschaft aus dem Praktiker Verbund verkauft: die Praktiker Rumänien mit seinen 27 Filialen wurde an einen rumänischen Investor verkauft, der auch alle ca 1600 Mitarbeiter übernehmen wolle. Über den Kaufpreis wurde stillschweigen vereinbart. Dem Management dort sei es gelungen trotz Insolvenz der Konzernmutter den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren. Nach Praktiker Luxemburg und der Ukraine ist dies der 3. Verkauf einer Auslandsgesellschaft aus dem Praktiker Konzern. Weitere Auslandsgesellschaften dürften in Kürze folgen.

  • Schlaubi

    Der Insolvenzverwalter der Praktiker International GMBH hat in einer Pressemitteilung bekanntgegeben, dass eine weitere Auslandsgesellschaft , die Praktiker Blugaria EOOD und die Praktiker Real Estate EOOD, Sofia (BG) aus dem Praktiker Verbund verkauft worden ist. In einem Bieterverfahren hat sich ein bulgarischer Investor, die Videolux Holding AD durchgesetzt. Der Investor übernimmt alle 9 Baumärkte und ca. 580 Mitarbeiter. Über den Kaufpeis wurde stillschweigen vereinbart. Damit ist die 4. Auslandsgesellschaft aus dem Praktiker Konzern an einen Investor verkauft worden, nach Luxemburg, Ukrainie und Rumänien. Weitere Auslandsgellschaften dürften in Kürze folgen.

  • Schlaubi

    Laut Insolvenzverwalter ist die 5. Auslandsgesellschaft aus dem Praktiker Konzern verkauft worden. Die Praktiker Polska mit seinen 24 Standorten und ca. 1800 Mitarbeitern geht an einen Investor, der nicht genannt werden möchte. Über die Vertragskonditionen wurde Stillschweigen vereinbart. Damit ist eine umsatzstärksten Auslandsgesellschaften der BM Praktiker International GMBH veräußert. Sie soll unter dem Namen Praktiker fortgeführt werden. Weitere Auslandsgesellschaften dürften in Kürze folgen.

  • neugieriger

    Hallo, was ist denn der aktuell Stand? merci

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