Wieso mögen Value Investoren kein Gold? - 4.7 out of 5 based on 3 votes

Goldbarren

Viele Value-Investoren belächeln Goldinvestoren. Jeremy Grantham, einer der erfolgreichsten antizyklischen Value-Investoren in der Welt, verspottet das gelbe Metall mit folgendem freiübersetzten Vergleich:

"Ich würde sagen, dass alles, was zu 75% untätig und teuer in Banktresoren liegt, als Vermögenswert, nur ein Schritt von den bekannten großen Felsen auf der polynesischen Inseln entfernt ist, die dort zum Handel gebraucht wurden."

Der bekannteste Value Investor Warren Buffett kritisiert Gold ebenfalls seit vielen Jahren. Buffett bezeichnet Gold als ein Vermögenswert, der nichts macht, außer "einen Blick auf dich werfen". Er geht davon aus, dass man mit Unternehmen und Aktien mehr Geld verdient und er bevorzugt einen stetigen Einkommensstrom gegenüber etwas, das nur Versicherungs- und Lagerkosten frisst.

Die Fragen sind also: Wieso mögen Value Investoren kein Gold? Ist Gold wirklich eine so archaische Investition? Um Antworten darauf zu bekommen, muss man erst einmal darüber nachdenken, was Value Investing ist und wie man es betreibt.

 
  

Value Investing beruht auf dem Prinzip, dass jedes Wertpapier zwei Preise hat: den Marktpreis und den Preis der durch eine fundamental Bewertung abgeleitet werden kann – den inneren Wert. Wenn ein Anleger eine Aktie zu einem höheren Preis als dem inneren Wert kauft, macht er einen Fehler.

Value-Investoren sind Schnäppchenkäufer, die nur im Sonderangebot kaufen. Sie warten bei jedem Wertpapier darauf, dass sie es unter seinem realen Wert kaufen können. Value-Investoren kaufen unterbewertete und verkaufen überbewertete Vermögenswerte. Mit Ausnahme von Cash können nach ihrer Annahme alle Vermögenswerte anhand von externen Variablen bewertet werden. Beispielsweise können Minenaktien auf Grundlage der Unzen Erz, die sie voraussichtlich pro Jahr fördern, bewertet werden.

Value-Investoren suchen nach bestimmten Mustern, die es Ihnen leicht machen, auf unterbewertete Aktien zu stoßen. Ähnlich, wie die wöchentlichen und täglichen Überprüfung der Kursbewegungen des Goldpreises. Nur Investoren mit einer guten Kenntnis des inneren Wertes einer Anlage, können einen Gewinn machen. Jede Bewertung, die aus dem Cashflow abgeleitet wird, muss irgendwann an den Investor zurückfliessen. Dazu gehören auch Vermögenswerte, deren Preis durch externe Variablen bestimmt wird, wie die Minenaktien.

Der Grund, warum Value-Investoren das kostbare gelbe Metall nicht so sehr mögen, ist, weil sie es nicht in der gleichen Art und Weise behandeln können, wie Aktien oder Aktienfonds. Gold hat weder einen inneren Wert noch zahlt es Dividenden, es ist damit für den Value Investor nicht oder nur schwer zu bewerten. Etwas ausserhalb ihrer Investmentprinzipien zu kaufen, ist irrational.

Aber selbst wenn Gold keinen inneren Wert hat, bedeutet dies, dass es keinen wirtschaftlichen Nutzen hat?

Laut der Investment-Website BullionVault sind die Gründe, warum Deutschland, der weltweit zweitgrößte Halter von Gold, seine enormen Reserven behält und auch die Absicht hat diese bis 2020 zu halten, wirtschaftlichen Faktoren, die den Markt beeinflussen könnten.

Gold hat einen wirtschaftlichen Wert, weil es knapp und es als Absicherung in Zeiten wirkt, wenn Value Investing überflüssig wird, zum Beispiel in einem Land mit Hyperinflation. Wenn die Märkte nach Süden gehen, kann Gold das Vermögen eines Investors sichern, bis der Markt wieder eine gewisse Stärke zeigt.

Am Ende ist Value Investing bei Aktien ein sehr rationaler Ansatz, der aber nicht zu jeder Zeit angewandt werden kann. Der Schlüssel zum Erfolg beim Investieren ist Diversifikation und die Logik, die verlangt seine Ressourcen aufgrund der gegenwärtigen, wirtschaftlichen Bedingungen zu allokieren.

Gastbeitrag 

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  • Sebastian

    Wie bewertest du die Aktie einer Goldmine?

  • Als Antwort auf: Sebastian

    Ich persönlich versuche die Kostenstruktur (inklusive Verschuldung) des Mienenbetreibers zu verstehen und diese für 1 Unze/Tonne oder was auch immer zu kalkulieren. Dies so konservativ wie möglich. Anschließend vergleiche ich diese mit anderen Minenbetreibern. Sind die Kosten günstig, betrachtet ich den Kurs des zugrundeliegenden Rohstoffes, z.B. Gold. Und versuche zu verstehen, was da die möglichen Treiber sind. Erscheint mit der Preis des zugrundeliegenden Rohstoffes günstig und sind die Kosten günstig, ist das Unternehmen ein Kauf. Egal wie die derzeitige Gewinnlage ist.

  • Als Antwort auf: Sebastian

    Ist eine antizyklische Herangehensweise.
    Begeistert von Rohstoffeabbauern (inkl. Goldminenbetreibern) bin ich aber nicht.
    Es gibt bis auf die Kosten keine Eintrittsbarrieren, die Produkte sind identisch.

  • Marfir

    Begeistert von Rohstoffeabbauern (inkl. Goldminenbetreibern) bin ich aber nicht.
    Es gibt bis auf die Kosten keine Eintrittsbarrieren, die Produkte sind identisch.


    Das gilt auch für viele andere Branchen. Die Produkte und Dienstleistungen der Finanzbranche, der Luftfahrtindustrie, der Logistikindustrie, der Stahlriesen, der Supermärkte, Ölmultis usw. unterscheiden sich nur marginal. Auch hier kämpft man um die Preis- oder Kostenführerschaft. Sind das deswegen alles keine Value Investments?

    Bei den Goldminenunternehmen sind die Eintrittsbarrieren höher als man denkt:
    - Entdeckung von lukrativen Vorkommen notwenig oder kauf guter Minen (beides ist rar)
    - viel Kapitaleinsatz nötig, da alle Minenprojekte im Voraus finanziert werden müssen
    - Fachpersonal nötig
    - kompetentes Management nötig, da die Projekte teils heikel sind (hohe Umweltauflagen, politisch instabile Region, seismische Aktivitäten, schlechte Infrastruktur usw.)

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