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DAX 8'000: Jedes Mal mit neuem Gesicht

DAX 8'000: Jedes Mal mit neuem Gesicht - 4.6 out of 5 based on 8 votes

Sollte man aussteigen, wie es 2000 und 2007 klug gewesen wäre? Oder lieber doch nicht? Der DAX hat mal wieder die Marke von 8'000 Punkten geknackt. Was dies für den Anleger bedeutet und ob der DAX überhaupt derselbe ist, erfahrt ihr hier.

 
 

Der DAX hat diesen Monat die Höhe von 8'000 Punkten erreicht und befindet sich nahe seinem Allzeithoch. Eine Marke der man aus technischer Sicht durchaus Beachtung schenken sollte: Markiert sie eine starke Widerstandslinie und dient als Anker für viele Anleger. Allerdings sollten alle Techniker gut aufpassen. Der DAX ist nämlich nicht der Gleiche, wie zu seinen Höchstständen 2000 und 2007. Ganz im Gegenteil. Berechnet man die Marktkapitalsierung aller DAX-Unternehmen, dann zeigt sich, dass der DAX im Jahr 2000 mit ca. 1,3 Billionen Euro eine fette Sau war, die kein Schritt mehr die Treppen nach oben gehen konnte und auch 2007 noch gutbeleibt mit ca. 1 Billion Euro unterwegs war. Im Vergleich dazu ist er heute ein schlanker Bursche mit einer Marktkapitalisierung aller Unternehmen von weniger als 0,9 Billionen Euro.

Wie kann man dem DAX ein Gesicht geben?

Neben dem Gewicht, kann man dem DAX auch ein Gesicht geben. Dieses ist seine Zusammensetzung und die dazugehörigen Titelgewichtungen, welche sich mit den Kursen jeden Handelstag wandeln. Während man die historische Zusammensetzung der Titel relativ einfach im Internet findet, ist es ein wenig schwieriger die Gewichtung der einzelnen Titel zu erhalten. Da die Deutsche Börse historische Indexgewichte nicht zur Verfügung stellt, musste ich für die Analyse einen kleinen Umweg machen. Da die Indexberechnung auf einer Formel von Étienne Laspeyres basiert und die Marktkapitalisierung sowie der Streubesitz einbezieht, kann man die Indexgewichte wie folgt replizieren:

 

 

Betrachtet man die Entwicklung der Gewichte über 8'000 Punkten ist auffällig, dass der DAX im Jahr 2000 von drei Werten dominiert wurde: Siemens, Allianz und die Deutsche Telekom vereinnahmten zusammen über 45 % des Indexgewichts. Sie konnten den DAX damit quasi allein in eine Richtung bewegen. Bis auf Siemens findet man heute keinen der Wert mehr in den Top 3. Nachdem im Jahr 2007 Siemens, E.ON und die Allianz etwas mehr als 30 % ausgemacht haben, wird Siemens heute auf Platz 2 vor den Chemiewerten Bayer und BASF flankiert. Die drei Titel bringen zusammen weniger als 30 % des DAX auf die Waage.

Die Realwirtschaft bleibt, allen voran die Automobilproduzenten und die Industrie.

So wie die deutsche Wirtschaft ist auch der DAX von der Automobil- und Industriebranche geprägt. Trotzdem sieht man eine deutliche Veränderung der Segmentzusammensetzung über die drei Höchststände. Haben Banken und Finanzdienstleister im Jahr 2000 noch 35 % des Index ausgemacht, waren es im Jahr 2007 25 % und heute sind es nur noch 17 %. Gleichzeitig sieht man den Abstieg der einstigen Volksaktie „Deutsche Telekom“, die den gesamten Telekommunikationssektor ausmacht. Nachdem sie 2000 mit einer Kapitalisierung von 274 Mrd. Euro (11,7 % des DAX) am Markt bewertet wurde und damit das grösste DAX-Unternehmen war, ist sie heute mit 36 Mrd. Euro (3,5 % des DAX) nur noch einen Bruchteil wert. Auch den Abstieg der grossen Energieversorger durch die Energiewende kann man anhand des Sektorgewichts im Index 2007 und 2013 nachvollziehen. Haben E.ON und RWE im Jahr 2007 fast 15 % ausgemacht, sind sie heute noch ein Drittel (5 %).

Für den Anleger

Aus Value Investor Sicht ist der DAX heute solider aufgestellt als 2000 und 2007. Wie die Marktkapitalisierung zeigt, sind wir von den Höchstständen der Vergangenheit noch entfernt. Obwohl sich die Anzahl Titel in den Jahren nicht geändert hat, setzt sich der DAX heute aus einer breiteren Basis zusammen und wird nicht von wenigen Unternehmen dominiert. Gleichzeitig spiegelt er nach meinem Gefühl die deutsche Wirtschaft besser wider als 2000 und 2007. Wie ich schon in meinem Ausblick 2013 gesagt habe, sehe ich den DAX zum Ende des Jahres 2013 bei 8'000 Punkten fair bewertet, das ist auch jetzt noch meine Meinung. Da Prognosen immer einer gewissen Ungenauigkeit unterliegen, kann man von diesen 8'000 Punkten getrost ein Spektrum von 10 % zu- und abschlagen und damit liegen wir heute genau in der Zone, in der man als Value Investor abwartet. Geduld ist eine Tugend. Überlassen wir den Charttechnikern das Feld und lassen sie austragen, ob die 8'000 Punkte 2013 als Prellbock oder Sprungbrett in die Geschichte eingehen.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blogparade: DAX 8'000 von Ulrich (ValueBlog), Lars (finanziell umdenken), Markos (FFMD) und Holger (Der Privatanleger).

 

14.03.2013

 

 

15.06.2007

 

 

07.03.2000

 

Marktkapitalisierung

 

Marktkapitalisierung

 

Marktkapitalisierung

893'406,58 Mio. Euro

 

969'685,15 Mio. Euro

 

1'292'928,45 Mio. Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

Name

in %

 

Name

in %

 

Name

in %

Bayer

9,1

 

Siemens

10,7

 

Siemens

22,1

Siemens

9,1

 

E.ON

9,9

 

Allianz

13,5

BASF

8,9

 

Allianz

9,1

 

Dt. Telekom

11,7

SAP

8,2

 

Daimler

7,8

 

Dt. Bank

7,0

Allianz

7,0

 

Dt. Bank

6,9

 

Daimler

6,3

Daimler

6,1

 

BASF

5,4

 

Munich Re

5,9

Dt. Bank

4,2

 

RWE

4,8

 

Bayer

3,4

VW

4,0

 

VW

4,8

 

RWE

3,2

Linde

3,8

 

Dt. Telekom

4,6

 

BASF

3,0

Munich Re

3,8

 

Bayer

4,6

 

Hypo Ver.-bank

2,8

Dt. Telekom

3,5

 

SAP

3,8

 

VW

2,5

BMW

3,4

 

Munich Re

3,2

 

Veba

2,4

E.ON

3,3

 

Commerzbank

2,8

 

Commerzbank

2,1

Henkel

2,8

 

Dt. Post

2,4

 

Dresdner Bank

2,1

Merck

2,8

 

Dt. Börse

2,1

 

VIAG

1,5

Dt. Post

2,4

 

BMW

2,0

 

MAN

1,1

Adidas

2,4

 

ThyssenKrupp

1,9

 

Schering

1,0

RWE

2,1

 

Continental

1,8

 

BMW

1,0

Fresenius

1,8

 

Linde

1,6

 

Lufthansa

1,0

FMC

1,5

 

Henkel

1,3

 

ThyssenKrupp

0,9

Continental

1,3

 

MAN

1,3

 

TUI

0,9

Dt. Börse

1,3

 

Metro

1,2

 

Epcos

0,8

Heidelberg

1,1

 

Lufthansa

1,1

 

SAP

0,7

Lufthansa

1,0

 

Adidas

1,1

 

Degussa-Hüls

0,6

Beiersdorf

1,0

 

Infineon

1,1

 

Metro

0,6

Infineon

1,0

 

Hypo Real Est.

0,8

 

Henkel

0,5

ThyssenKrupp

1,0

 

FMC

0,8

 

FMC

0,4

K+S

0,9

 

Dt. Postbank

0,6

 

Linde

0,3

Commerzbank

0,7

 

TUI

0,5

 

KarstadtQuelle

0,3

Lanxess

0,7

 

Altana

0,1

 

Adidas

0,3

 

 

 

 

 

 

 

 

Branche

in %

 

Branche

in %

 

Branche

in %

Che. & Pharm.

25,7

 

Automobil

17,7

 

Industrie

24,1

Automobil

14,8

 

Energie

14,7

 

Finanzdienst.

19,4

Industrie

13,9

 

Finanzdienst.

14,4

 

Banken

14,0

Finanzdienst.

12,1

 

Industrie

14,1

 

Telekom.

11,7

IT, Technology

9,2

 

Banken

11,2

 

Automobil

10,8

Konsumgüter

6,2

 

Che. & Pharm.

10,9

 

Che. & Pharm.

8,5

Energie

5,3

 

IT, Technology

4,8

 

Energie

7,1

Banken

4,9

 

Telekom.

4,6

 

Verkehr&Frei.

1,9

Telekom.

3,5

 

Logistik

2,4

 

Einzelhandel

0,9

Logistik

2,4

 

Konsumgüter

2,4

 

Konsumgüter

0,8

Baumaterial

1,1

 

Verkehr&Frei.

1,6

 

IT, Technology

0,7

Verkehr&Frei.

1,0

 

Einzelhandel

1,2

 

 

 

 

Zum Download des vollständigen Datensatzes (.xlsx).

 

 

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  • Wirklich toller Beitrag zum Thema DAX und die 8.000er Marke. Ich habe selbst schon überlegt einen Beitrag über die Veränderung der Zusammensetzung des DAX zu schreiben. Das kann ich nun getrost, mit Verweis auf diesen Artikel, unterlassen ;-)
    Vielen Dank. Über Verweise freue ich mich natürlich immer. Du kannst aber auch meine Daten gerne verwenden und selbst auswerten. Ich bin immer gespannt, was andere Leute über Dinge denken, mit denen ich mich beschäftigt habe.

  • Herzlichen Dank, auf das Angebot werde ich evetuell später gerne zurückgreifen. Hier ist allerdings erstmals unser Beitrag zur Blogparade: Der Dax bei 8.000 Punkten – Was bedeutet das für den Kleinanleger? Und: Stellt der ATX eine Investmentalternative da? http://www.diekleinanleger.com/der-dax-bei-8-000-punkten-was-bedeutet-das-fur-den-kleinanleger-und-stellt-der-atx-eine-investmentalternative-da/

  • Novasol

    Hallo, entschuldige bitte, dass ich mit dieser Frage den Dax-Beitrag kommentiere. Ich wusste nicht wohin damit. Du investierst in Microsoft, aber was ist mit Buffetts Liebling IBM? Ich habe mal ein Easybuffett erstellt und komme auf sensationelle Renditen, auch auf aktuellem Niveau. Die Eigenkapitalrenditen der letzten 7 Jahre betragen im Schnitt über 60%! Ich rechnete mit 40% aktueller Kurs 212,00 Buchwert 17,00 aktueller Gewinn 6,80 Einstandsrendite 3,2% KGV 31,2 ØEigenkapitalrendite 40% Ausschüttungsquote 21% EK-Wachstum 32% Jahre n 10 Buchwert in n Jahren 264,85 Gewinn in n Jahren 105,94 KGV 12,9 Kurs in n Jahren 1366,65 ∑Dividenden in n Jahren 118,38 brutto Rendite 21,49% Wäre echt gespannt auf deine Meinung, vielleicht ist mir ja auch ein Fehler unterlaufen! Viele Grüße!!

  • Hallo, entschuldige bitte, dass ich mit dieser Frage den Dax-Beitrag kommentiere. Ich wusste nicht wohin damit. Du investierst in Microsoft, aber was ist mit Buffetts Liebling IBM? ...
    Ich denke nicht, dass dir ein Fehler unterlaufen ist. Allerdings würde ich die 21,5% Rendite mit Vorsicht geniessen. Meine Vermutung ist, dass IBM hohe Aktienrückkäufe tätigt und damit den Buchwert niedrig hält. Der Gewinn pro Aktie steigt damit zwar an, aber nicht im selben Masse, wie wenn IBM das einbehaltende Kapital komplett investieren könnte. Ich würde mir an deiner Stelle noch angucken, wie du IBM vor 10 Jahren bewertet hättest und ob du auf eine Rendite kommst, die du bis zum heutigen Zeitpunkt eingefahren hättest. Aber Warren Buffett wird gute Gründe haben in IBM investiert zu sein und er liegt nachweisslich selten falsch ;) Wenn du eine umfassende Analyse gemacht hast, kannst du mir die auch gerne zur Veröffentlichung hier auf dem Blog schicken und du bekommst vielleicht den ein oder anderen guten Kommentar, der dir in deiner Anlageentscheidung weiterhilft. Beste Grüsse

  • provinzler

    Meine Vermutung ist, dass IBM hohe Aktienrückkäufe tätigt und damit den Buchwert niedrig hält.
    Mit dieser Vermutung liegst du absolut richtig. IBM fähr Aktienrückkaufprogramme, die jenseits von gut und böse liegen. Auf jeden Dollar Dividende kommen 3,50 $ an Aktienrückkäufen. Und IBM ist im Unterschied zu manch andrem Topunternehmen (Philipp Morris, Moody's) mit solchen Rückkaufprogrammen, nettoschuldenfrei, wenn man die Banksparte rausrechnet. Die obige Rechnung enthalt allerdings einen Fehler. Der aktuelle Gewinn beträgt nicht 6,80$ sondern 15,25$, wenn man die akquisitionsbedingten nicht-operativen Sonderposten rausrechnet. 21% Rendite über die nächsten 10 Jahre halte ich für eher unwahrscheinlich, aber satt zweistellig (netto) erwarte ich schon, sonst hätte ich mich nicht derartig mit der Aktie eingedeckt.

  • Novasol

    [quote] Meine Vermutung ist, dass IBM hohe Aktienrückkäufe tätigt und damit den Buchwert niedrig hält.
    Mit dieser Vermutung liegst du absolut richtig. IBM fähr Aktienrückkaufprogramme, die jenseits von gut und böse liegen. Auf jeden Dollar Dividende kommen 3,50 $ an Aktienrückkäufen. Und IBM ist im Unterschied zu manch andrem Topunternehmen (Philipp Morris, Moody's) mit solchen Rückkaufprogrammen, nettoschuldenfrei, wenn man die Banksparte rausrechnet. Die obige Rechnung enthalt allerdings einen Fehler. Der aktuelle Gewinn beträgt nicht 6,80$ sondern 15,25$, wenn man die akquisitionsbedingten nicht-operativen Sonderposten rausrechnet. 21% Rendite über die nächsten 10 Jahre halte ich für eher unwahrscheinlich, aber satt zweistellig (netto) erwarte ich schon, sonst hätte ich mich nicht derartig mit der Aktie eingedeckt.[/quote] Hallo Provinzler! Der verwendete Gewinn stammt bei meiner Rechnung nicht aus der Bilanz sondern über die "angepasste" Eigenkapitalrendite, sonst hast du natürlich absolut recht. Ja, Aktienrückkäufe liegen im Schnitt bei annualisierten 5%. Alle diese Fakten sprechen meines erachtens weiterhin für IBM! Laut "Buffettology" sollte das Ziel eines Investments bei 15% vor Steuer und Inflation liegen. Denke das sollte IBM doch schaffen!? Auf welche Rendite kommst du bei deiner Berechnung? Viele Grüße, Novasol

  • provinzler

    Danke, dann sehe ich das klarer. Ich bin ehrlich und sage dir, dass ich den Easy Buffett gar nicht verwende. Habe ich ein Unternehmen mal als qualitativ tauglich befunden, schaue ich primär auf FCF/EV. Wenn ich da wie bei IBM über 7% Einstiegsrendite kriege, bin ich glücklich. 6% wär so das absolute Minimum. Bei zyklischeren Unternehmen (z.B. Banken, Versicherungen) nehme ich anstatt des FCF eine von mir berechnete "normale Ertragskraft". Finde ich keine vernünftige Möglichkeit die Gewinne zu "normalisieren" lasse ich die Finger davon.

  • Novasol

    Danke, dann sehe ich das klarer. Ich bin ehrlich und sage dir, dass ich den Easy Buffett gar nicht verwende. Habe ich ein Unternehmen mal als qualitativ tauglich befunden, schaue ich primär auf FCF/EV. Wenn ich da wie bei IBM über 7% Einstiegsrendite kriege, bin ich glücklich. 6% wär so das absolute Minimum. Bei zyklischeren Unternehmen (z.B. Banken, Versicherungen) nehme ich anstatt des FCF eine von mir berechnete "normale Ertragskraft". Finde ich keine vernünftige Möglichkeit die Gewinne zu "normalisieren" lasse ich die Finger davon.
    Der Free Cashflow / Aktie beträgt 13,44 USD Der Buchwert je Aktie 16,60 USD (Quelle finanzen.net) Wie leitest du dir jetzt daraus deine Rendite ab? Bzw, welche Bedeutung haben diese Zahlen dann für die? Viele Grüße!

  • provinzler

    Bei IBM sieht meine Überlegung etwa aus wie folgt (mal nur vom Zahlensalat her). ROA >12%? check ROCE >15%? check. Nettoschulden/Nettogewinn

  • provinzler

    hoppla den rest hats mir verschluckt: also Nettoschulden/Nettogewinn soll deutlich kleiner 5 sein. Der FCF (ex Bank) liegt ca. beim operativen Netto-Gewinn(Non-GAAP). Gibt dann bei marginalem Nettocash(wiederum ex Bank) ne FCF/EV-Rendite von etwa 7,2%. Die Bank bewerte ich als komplett eigene Entität...

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